Mitterteich. Das gibt es nicht gerade oft! Eine große deutsche
Fernsehzeitschrift (die in ihrem Namen mehr auf den Hör- als auf den
Sehsinn setzt), macht in ihrer derzeitigen Weihnachtsausgabe unter
dem Titel "Im Namen Gottes" auf ein Konzert in Mitterteich aufmerksam:
am dritten Advent gab Kirchenmusikdirektor Matthias Eisenberg aus Zwickau
sein zweites Konzert auf der neuen Hoerl-Orgel, die von ihm ihr
symphonisch-romantisches Klangbild erhielt.
"Weltbester Organist"
Ganze vier Seiten mit Farbfotos und dem Text eines bekannten Autors,
der Eisenberg als (und das ist nicht neu!) "einen der besten Organisten
der Welt" preist, widmet die Illustrierte, und lädt zu den zehn
Eisenberg-Konzerten in der zweiten Dezemberhälfte ein.
Zu seinem zweiten Gastspiel an dem neuen Instrument (das bei seiner
vorgezogenen Weihe im Herbst wegen der Verabschiedung des Stadtpfarrers
in den Ruhestand nicht ganz vollendet gewesen war) war Eisenberg nicht
allein gekommen, sondern hatte aus seiner Wirkungsstätte Zwickau seine
Kantorei mitgebracht. Vor großem Publikum in der fast voll besetzten
Kirche musizierten unter dem Motto "Gaudete in Domino semper!" (Freut
euch im Herrn immer!) der Chor der Pfarrei St. Jakob Mitterteich mit
der befreundeten Kantorei Luther-Moritz-Johannis aus Zwickau. Unter
Gesamtleitung von Matthias Schraml, dem örtlichen Kirchenmusiker und
Eisenberg-Schüler, wurde a cappella ein adventliches Musikprogramm
geboten, das vier- bis achtstimmig von alten Meistern und Volksliedgut
bis zur Romantik reichte. Von der Empore herab und begleitet von Eisenberg
stand die extravagante und faszinierende "Missa solemnis" von Louis Vierne
im Zentrum des Konzerts, das mit Bachs unbändig fröhlich
interpretiertem "Jauchzet, frohlocket!" endete.
Virtuose Spielfreude
Solistisch lebte der von einem vollen Terminkalender gestresste Eisenberg
(der am dritten Advent mitnichten nur in Mitterteich konzertierte) an der
Orgel von Karsten Hoerl sichtlich auf: Mit zartesten Bläser- und
Streicherstimmen zeichnete der Organist Johann Sebastian Bachs "Nun
komm, der Heiden Heiland" mit warmtönigen Bläser- und Streicherstimmen,
bevor Eisenberg in virtuoser Spielfreude bei Leon Boellmanns "Suite gothique"
die volle Klangpracht und dynamische Weite des Instruments mit steinernem
Schwellwerk beweisen konnte.
Zu einem farbenprächtigen Bild geriet Alexandre Guilmants Marsch über das
Thema "Machet die Tore weit" aus Händels "Messias". Die interessante
Variante zur Adventsliteratur zeigte endgültig, dass die Mitterteicher
Orgel (wie ursprünglich geplant) zur Weihnachtszeit mit ihren 55 Registern
nun fertig ist und eine Bereicherung der Musiklandschaft der Region bildet.
Gut Ding will Weile haben!
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