Neuzirkendorf. Ein interessantes Doppel war im Rahmen der Konzertreihe in der Wallfahrtskirche
St. Laurentius in Weißenbrunn angekündigt: Orgel- und Flötenmusik von Siegfried und Sabine Petri
aus Chemnitz standen auf dem Programm. Aufgrund der bisherigen Konzerte haben sich die Zuhörer
schon daran gewöhnt, von der musikalischen Darbietung verzaubert zu werden. Auch dem musizierenden
Ehepaar gelang dies - wenngleich zunächst mit leichten Abstrichen.
Das Repertoire reichte vom Barock bis zur Moderne. Zum Auftakt stand Samuel Scheidts (1587-1654)
Toccata über "In te, domine, speravi" auf dem Programm. Weiter ging es mit "Canzone sesta" des
Italieners Angelo Berardi. Das Stück bestand aus mehreren Einzelteilen, die ohne Unterbrechung aneinander anschlossen.
Während sich Siegfried Petri an der Orgel ganz zurücknahm und nur dienende Funktion hatte, rückte
Flötistin Sabine Petri in den Mittelpunkt. Mit einer geradlinigen Melodie demonstrierte sie, welche
Faszination von einer Flöte ausgehen kann. Allerdings waren kleine klangliche Unsauberkeiten im
Flötenspiel nicht zu überhören.
Mit den Variationen über "Ich ruf' zu dir, Herr Jesu Christ" des Barockkomponisten Johannes Praetorius
konnte sich im Anschluss Siegfried Petri an der Orgel in Szene setzen, bevor ein Blockflöten-Solo folgte:
"Schattentänzer" hieß nicht nur das Werk der zeitgenössischen australischen Musikerin Zana Clarke.
Wie eine Schattentänzerin bewegte sich auch Sabine Petri von der Empore durch die Kirche bis vor den
Altarraum. Auffällig an diesem Stück, das mit Melodien der australischen Ureinwohner gespickt war, waren
die nach oben gezogenen und verbundenen Töne, die dem Werk seinen eigenen Charakter gaben. Ruhig,
fast andächtig ging das Stück los, der Mittelteil war geprägt von beschwingter Stimmung, während sich das
Finale wieder ruhiger und sanfter gestaltete.
Moderner Höhepunkt
Kam die volle Klangbreite der imposanten Orgel nach dem Geschmack vieler Zuhörer bisher eindeutig zu kurz,
so sollte sich dies im zweiten Teil des Konzertes ändern. Das machte Siegfried Petri mit Sigfrid Karg-Elerts
"Singet dem Herrn ein neues Lied", einer Choral-Improvisation und Fuge nach der gleichnamigen achtstimmigen
Motette von Johannes Sebastian Bach klar. Höhepunkt war allerdings der Auszug aus der "Suite jazzique" von
Johannes M. Michel, erst 2003 komponiert. Siegfried Petri entführte die Zuhörer auf eine Traumreise voller Melodik
und Harmonie. Besonders im zweiten Teil des Werkes klangen die jazzigen Anleihen durch. Sie waren für den
Zuhörer leicht zu erfassen. Auch die schnellen Läufe sorgten für besondere Beschwingt- und Lockerheit.
Perfekte Echoeffekte
Mit der "Sonate B-Dur" von Georg Philipp Telemann ging das Konzert zu Ende. Noch einmal erklangen gleichzeitig
Flöte und Orgel, die Themen wurden gegenseitig vorgetragen, aufgenommen und weiterentwickelt. So gelang es
dem Musikerpaar perfekt, Echoeffekte zu erzeugen.
Den Applaus am Ende des Konzerts hatten sich die Musiker verdient, die kleinen Unsauberkeiten waren wegen
der imposanten Leistung im zweiten Abschnitt vergessen. Mit einer rhythmischen Zugabe rundeten die beiden
Instrumentalisten ihr Programm ab.
Das nächste Konzert in der Wallfahrtskirche ist am 3. Oktober um 16 Uhr. Dann gastiert Jürgen Wolf, Kantor der Nicolaikirche Leipzig.
|