Neuzirkendorf. (stg) Es war ein würdiger Auftakt, den auch die Orgel in der Wallfahrtskirche
St. Laurentius - so sie denken könnte - so schnell nicht vergessen würde. Im Festkonzert anlässlich
der Orgelweihe zog der Dresdner Organist Hansjörg Albrecht nicht nur alle Register seines Könnens,
sondern auch alle Register des neuen Instruments und ließ nahezu alle 1046 Pfeifen erklingen.
Entstanden ist daraus ein anspruchsvoller Konzertabend, den die zahlreichen Zuhörer nach 75 Minuten
mit stehenden Ovationen würdigten. Zum Auftakt standen Werke von Johann Sebastian Bach (1685-1750)
auf dem Programm. Das Präludium Es-Dur (BWV 552) bestach durch seine umfassende Voluminität, die
den gesamten Kirchenraum erfüllte. Auch die Darbietung der Choralbearbeitung "Schmücke dich, o
liebe Seele" (BWV 654) gelang dem Organisten hervorragend. Und wie er Bachs Fuge Es-Dur intonierte,
war wahrhaft meisterlich.
Schwere Kost von Litaize
Wie scheinbar disharmonisch muss im Vergleich dazu doch die Musik des Franzosen Gaston Litaize
(1909-1991) wirken. Das "Prélude et Danse Fuguée" war deshalb nicht nur für Hansjörg Albrecht eine
Herausforderung, sondern auch für die Zuhörer. So meisterlich es auf der Orgel dargeboten wurde, so
ungewohnt war das Werk für die Ohren.
Auf einprägsame Harmonien und Akkorde wartete man hier vergebens - die Moderne hat eben ihren Preis.
Diejenigen, die mit Litaize eher wenig anfangen konnten, wurden kurz darauf für ihre Geduld belohnt. Auf
dem Programm stand die einem großen Publikum bekannte"Fantasie f-moll" (KV 594) von Wolfgang Amadeus
Mozart (1756-1791). Es war in erster Linie das "Allegro", das die ganze Erhabenheit des Stückes zum Ausdruck brachte.
Absoluter Höhepunkt des Konzertabends war die weltbekannte Suite "Bilder einer Ausstellung" des russischen
Komponisten Modest Petrowitsch Mussorgsky. Das Werk geht zurück auf Bilder und Skizzen des Architekten
Viktor Hartmann, mit dem Mussorgsky befreundet war. Der Komponist beschreibt musikalisch einen Rundgang
durch eine Ausstellung mit Werken des Architekten.
Ursprünglich für Klavier geschrieben, intonierte Albrecht eine selbst transkribierten Fassung an der Orgel. Als
zentrales Motiv zieht sich die Promenade durch das Werk, die insgesamt fünfmal gespielt wird.
Albrecht gelingt es perfekt, die veränderte Stimmung durch die vorangegangene Bildbetrachtung zu vermitteln.
Insgesamt zehn Bilder werden auf musikalische Weise beschrieben. Im ersten Bild der Ausstellung, "Gnomus",
deutet die Musik wilde Sprünge eines Zwerges an. Ganz im Gegensatz dazu steht "Das alte Schloss", eine ruhige,
von einer gleichförmigen Begleitung getragene Romanze.
Gewaltiges Finale
Das Stück kulminiert schließlich in "Das große Tor von Kiew", das ein Stadttor mit Glockenturm und einer kleinen
Kirche im Inneren zeigt. Mussorgsky verarbeitet hier erneut das Motiv der "Promenade" und gibt dem Werk einen
kirchenmusikalischen Charakter. Der Schluss erinnert an ein gewaltiges Opernfinale.
Albrecht, der in allen großen Konzertsälen und Kirchen der Welt zu Hause ist, lieferte in Neuzirkendorf eine
beeindruckende Leistung ab. Ein würdigeres Auftaktkonzert hätte es nicht geben können.
|